Die Tore von Gaza: Ein bewegendes Theaterstück über Krieg und Frieden in Salzburg

· Martin Schneider

Das Landestheater Salzburg eröffnet die Saison mit „Die Tore von Gaza“, einer packenden Theaterinszenierung von Nuran David Calis, die auf dem Augenzeugenbericht des Journalisten Amir Tibon basiert. Diese beeindruckende Adaption des Grauens, das sich am 7. Oktober 2023 im Kibbuz Nahal Oz an der Grenze zu Gaza zutrag, nimmt die Zuschauer mit auf eine emotionale Reise. Tibon selbst verbarrikadierte sich an diesem tragischen Tag mit seiner Familie in einem Schutzraum, während draußen die Schüsse und Raketen durch die Luft heulten. Diese persönlichen Erlebnisse werden in der Inszenierung clever mit historischen Perspektiven verwoben, was den komplexen Konflikt zwischen Israel und Palästina eindringlich beleuchtet. Die Deutsche Bühne berichtet von der Premiere, die unter intensiver Polizeipräsenz stattfand.

Die Inszenierung ist von einem Glaskasten geprägt, der als symbolischer Schutzraum dient und die Zuschauer dazu anregt, über die Realität, in der Geschlossenheit und Angst herrschen, nachzudenken. Die Schauspieler:innen, ganz in Schwarz gekleidet und mit offenen Augen auf den Lidern geschminkt, nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise durch die Leiden beider Seiten. Tropfenweise werden historische Daten und Begriffe auf die Glaswände geschrieben, die die Wurzeln des Konflikts offenbaren und dabei sowohl den eigenen Schmerz als auch das Leid der Menschen in Gaza anerkennen. Tatsächlich wird der Text von Tibon als besonders ehrlich bezeichnet, weil er die Komplexität des Konflikts darstellt und die sich ständig verändernden Rollen von Tätern und Opfern thematisiert.

Einblicke in das Geschehen

Am 7. Oktober, so beschreibt Tibon in seinem Buch „The Gates of Gaza“, war seine Familie nicht nur Geiseln der Angreifer, sondern auch Zeugen des Grauens, das sich vor ihren Augen abspielte. In fast zehn Stunden hörten sie den Lärm des Krieges, während sie verzweifelt versuchten, ihre beiden kleinen Töchter zu beruhigen. „Für mich war es entscheidend, die Mädchen ruhig zu halten“, erzählt Tibon, der das Geschehen über das Handy verfolgte und sofort SOS-Nachrichten verschickte. Schließlich gelang es seinem Vater und seiner Mutter, die Familie aus der Gefahrenzone zu befreien. Diese dramatische Rettungsaktion verdeutlicht die menschliche Seite des Konflikts: Die Eltern retteten nicht nur ihre eigenen Kinder, sondern halfen auch verwundeten Israelis, die sie auf ihrem Weg ins Krankenhaus fanden.

Tibon, der als Journalist für die Tageszeitung „Haaretz“ tätig ist, nutzt für sein Buch sowohl israelische als auch palästinensische Quellen und führt Interviews mit Soldaten und Polizisten, die am besagten Tag kämpften. Er gewährt einen ungeschönten Blick auf das Geschehen und thematisiert die politischen Fehlentscheidungen, die zu der Tragödie führten. Dabei spricht er auch über die Hoffnung der Gemeinschaft, die über Jahre hinweg für Frieden und Versöhnung gekämpft hat. „Wir müssen zwischen dem Kampf und der Rettung von Menschenleben unterscheiden“, betont er und macht klar, dass die Rettung der Geiseln oberste Priorität hat.

Theater als Kanal für Dialog

Die Inszenierung von Calis hat das Ziel, einen Dialog über den anhaltenden Konflikt zu fördern und die Zuschauer zu ermutigen, über die eigene Rolle in dieser komplexen Thematik nachzudenken. Am Ende der Aufführung bleibt das Gefühl, dass der Frieden nicht näher gerückt ist, als er es zuvor war. Die intensive Bühnengestaltung und die bewegende Darbietung versprechen, noch lange nach der Vorstellung nachzuwirken. Wie die Theaterproduktionsseite Salzburger Landestheater hervorhebt, behandelt die Aufführung nicht nur Themen wie Krieg und Gewalt, sondern auch die menschliche Verwundbarkeit und den Wunsch nach Verständnis.

Für alle, die ein Gespür für die menschlichen und gesellschaftlichen Aspekte des Konflikts besitzen und bereit sind, den Dialog zu suchen, ist „Die Tore von Gaza“ eine Pflichtveranstaltung im Salzburger Kulturkalender.