Die Tore von Gaza: Ein packendes Drama über Terror und Hoffnung in Salzburg

· Martin Schneider

In Salzburg dreht sich momentan alles um die neue Inszenierung des Salzburger Landestheaters, die ein Thema behandelt, das nicht aktueller sein könnte. Schauspieldirektor Nuran David Calis hat mit „Die Tore von Gaza“ sein Regiedebüt gefeiert und bietet damit einen eindringlichen Blick auf den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023. In dieser Produktion, die am 3. Oktober 2025 Premiere feierte, wird die Geschichte von Amir Tibon lebendig, der detaillierte Einblicke in seine Erlebnisse während dieses dramatischen Tages im Kibbuz Nahal Oz gibt. Die Inszenierung führt uns durch die letzten 80 Jahre der Region und bleibt dabei in der Ich-Perspektive der Protagonisten, was für eine intime Atmosphäre sorgt.

Am besagten Tag hörte Tibon mit seiner Frau und seinen Töchtern beinahe zehn Stunden lang die Schüsse und Raketen, die draußen fielen. Eine grausame Erfahrung, die sie nicht nur im sicheren Raum aushalten mussten, sondern die auch ihre ganze Vorstellung von Sicherheit und Normalität infrage stellte. Tibon und seine Familie sahen die Gräueltaten über ihre Telefone und sendeten verzweifelte SOS-Nachrichten. Sie waren in einem ständigen Kampf, die Kinder ruhig zu halten, um sie von den erschreckenden Geräuschen abzuschirmen. Seine Eltern, die während dieser Zeit in Tel Aviv und auf der gefährlichen Fahrt zu ihrem Sohn waren, halfen dabei, verwundete Israelis ins Krankenhaus zu bringen und trugen so zu einem tieferen Verständnis für die pflanzlich, aber lebensrettende Verantwortung bei.

Ein reflektierter Blick auf komplexe Themen

„Die Tore von Gaza“ respektiert nicht nur das literarische Ausgangsmaterial, sondern zeigt auch die Herausforderungen, die das Stück mit sich bringt. Die Inszenierung nutzt eine Vielzahl von Stilmitteln, darunter auch Thriller-Elemente und symbolische Darstellungen, um die emotionale Intensität der Ereignisse zu vermitteln. Auf der Bühne agieren die Schauspieler als Tibon und seine Familie und bringen das Publikum zum Nachdenken. Es gelingt der Inszenierung, die historischen Kapitel des Konflikts darzustellen, wenn auch nicht immer ohne Schwierigkeiten. Insbesondere die Anspielung auf aktuellere Entwicklungen, etwa die Geiselnahmen durch die Hamas, bringt eine schmerzhafte Aktualität in das Stück.

Trotz der schweren Thematik bleibt Calis‘ Inszenierung von einer gewissen Hoffnung durchzogen. Der Respekt, den Tibon gegenüber den Gefahren, die in dieser Region existieren, zeigt, ist ebenso wichtig wie das Verständnis für die menschlichen Schicksale, die im Zentrum des Konflikts stehen. Der Nahostkonflikt, der seit Jahrzehnten viele Leben gefordert hat, zieht sich durch die Geschichte und wirft Fragen auf, die auch in der heutigen Zeit immer wieder diskutiert werden müssen. Am 7. Oktober 2023 überfiel Hamas Israel; dieser Schrecken hat Spuren hinterlassen und lässt sich nicht einfach ausblenden. Der Konflikt um dieses kleine Land am Mittelmeer betrifft alle und bleibt ein äußerst sensibles Thema.

Fazit und Ausblick

„Die Tore von Gaza“ bietet eine Plattform für Gespräche über das, was in der Region geschieht, und ermöglicht es dem Publikum, einen Teil dieser schmerzhaften Geschichte nachzuvollziehen. Tibon betont die Bedeutung der Menschenleben, die in Gefahr sind, und wirft das wichtige Thema der Rettung von Geiseln gegen das strategische Vorgehen der Regierung auf. Parallel gibt es auch Stimmen, die die historische Unschärfe angeprangert haben – all diese Aspekte macht Nuran David Calis‘ Inszenierung zunahe greifbar.

Man darf gespannt sein, wie die Premiere und die darauffolgenden Aufführungen beim Publikum ankommen und ob sie vielleicht die notwendigen Anstöße zu einem vertieften Diskurs über den Israel-Palästina-Konflikt geben können. Denn der Ausgang dieses Konflikts und die damit verbundenen Geschichten sind nicht nur Vergangenheit, sondern leben auch durch die Erzählungen der Menschen weiter.

Für Interessierte steht das Stück noch bis zum Ende der Spielzeit auf dem Programm des Salzburger Landestheaters – ein guter Grund, sich mit einer Thematik auseinanderzusetzen, die die Welt bewegt.